Herkunft von Sprichwörtern – Teil 1

erstellt am: 02.07.2018 | von: Leoni | Kategorie(n): Fundstücke, Hervorgehoben, Unterhaltung

Fundstücke


Herkunft von Sprichwörtern – Teil 1

Von: Leoni Schmidt

Wer mit etwas genau Recht hat, der trifft ins Schwarze, wer sich schick macht, wirft sich in Schale und wer durchtrieben ist, der hat es faustdick hinter den Ohren - alte deutsche Sprichwörter ziehen sich heute noch oft durch unsere Sprache. Häufig benutzen wir sie als ganz normale Formulierungen.

Aber wisst ihr, wo diese Sätze eigentlich herkommen und wie sie entstanden sind?

Die Katze im Sack kaufen

Wer eine Katze im Sack kauft, der lässt sich sprichwörtlich auf etwas Unbekanntes ein. Vor allem wenn es darum geht etwas zu kaufen, ohne es vorher überprüft zu haben.

Die Herkunft dieses Sprichwortes, findet sich auf früheren Märkten wieder. Früher gab es dort viele unehrliche Händler, die ihren Kunden eine tolle Legehenne in einem Sack verkaufen wollten. In Wirklichkeit befand sich in diesen Säcken jedoch oft keine wertvolle Henne, sondern eine wertlose Katze.

Wer also zu gutgläubig ist und einen Kauf nicht nochmal überprüft, der kauft sprichwörtlich die Katze im Sack.

Jemanden reinen Wein einschenken

Wenn euch jemand reinen Wein einschenkt, dann klärt er euch über etwas auf, legt euch etwas offen oder nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt euch die Wahrheit.

Der Ursprung dieser Redewendung liegt im Mittelalter. Damals verdünnten viele Gastwirte den Wein, welchen sie ihren Gästen anboten, mit Wasser oder essigsaurer Tonerde. Tat jemand dies nicht, sondern schenkte ihnen reinen Wein ein, galt diese Person als ehrlich.

Schenkt man jemanden reinen Wein ein, bedeutet das also, ihm ohne Umschweife die Wahrheit zu sagen. Meistens handelt es sich dabei nur leider um eine unangenehme Wahrheit.

Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts

„Keine Ahnung“, „Ich weiß nicht wovon du sprichst“ oder eben „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“. Alle diese drei Sätze haben dieselbe Bedeutung. Doch was hat bitte ein Hase bei dem letzten Satz damit zu tun?

Die Antwort: Gar nichts. Diese Redewendung geht nicht auf das Tier zurück, sondern auf einen Mann, dessen Nachname Hase war. Victor von Hase war Jurastudent in Heidelberg, der sich im Jahr 1855 vor Gericht verantworten musste. Ein Freund von ihm hatte einen anderen Studenten in einem Duell erschossen. Victor Hase verhalf diesem Freund zur Flucht. Als sich Hase dann vor Gericht zu dem Fall äußern sollte, sagte er nur „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.“.

Bis heute hat sich dieser Satz herumgesprochen und wird heute noch häufig als Redewendung genutzt.

Etwas auf die lange Bank schieben

Wir kennen es alle: manchmal müssen wir Aufgaben erledigen, auf die wir überhaupt keine Lust haben. Verschieben wir diese auf einen späteren Zeitpunkt, so schieben wir sie sprichwörtlich auf die lange Bank.

Auch hier liegt der Ursprung im Mittelalter. Tatsächlich hat dieser Spruch weder etwas mit einer Parkbank, noch mit einem Geldinstitut zu tun. In den damaligen Behörden und bei Gericht gab es damals noch keine Regale, um wichtige Akten aufzubewahren.

Stattdessen wurden die Dokumente in sehr große und lange Truhen abgelegt. Waren diese voll, stellte man die Akten einfach drauf. Mit jedem Ordner der neu dazukam, mussten die Truhen ein wenig nach hinten geschoben werden. Ähnlich wie bei einer langen Bank, auf der die Menschen aufrücken mussten, um anderen Platz zu machen.

Einen an der Waffel haben

Wir alle kennen bestimmt jemanden, der einen an der Waffel hat, also nicht mehr ganz richtig tickt. Das kann sowohl als Spaß, als auch ernst gemeint sein. Mit dem Gebäck hat das allerdings nichts zu tun.

Die genaue Herkunft dieses Satzes ist nicht bekannt. Eine Annahme ist, dass der Ursprung auf die Brüder Grimm zurückgeht. In deren „Deutschen Wörterbuch“ handelt es sich bei dem Wort waffeln um ein Verb, welches so viel wie schwatzen oder Unsinn erzählen bedeutet. Die Redensart „einen an der Waffel haben“ bezeichnet also wahrscheinlich jemanden, der undeutlich und schnell redet, viele Wörter durcheinander wirft und Unsinn verbreitet. Hieraus entstand wahrscheinlich die Bedeutung „nicht ganz richtig im Kopf sein“.

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